Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: Wie du eine Zahl nennst, ohne dich zu verkaufen
Viele deutsche Ausschreibungen verlangen eine Gehaltsvorstellung schon im Anschreiben. Ausweichen schadet meist mehr als eine gut begründete Zahl.
Wenn eine Ausschreibung nach deiner Gehaltsvorstellung fragt, nenne eine Zahl. Das klingt banal, ist aber die Stelle, an der auffällig viele Bewerbungen ausweichen, und Ausweichen kostet in der Regel mehr, als eine unperfekte Zahl es täte.
Warum wird überhaupt danach gefragt?
Aus einem unspektakulären Grund: Unternehmen wollen früh wissen, ob eure Vorstellungen überhaupt im selben Bereich liegen. Ein Verfahren über mehrere Runden zu führen und am Ende festzustellen, dass zwanzigtausend Euro dazwischen liegen, ist für beide Seiten verlorene Zeit.
Das bedeutet auch: Die Frage ist meistens kein Test und keine Falle. Sie ist eine Filterfrage. Wer sie unbeantwortet lässt, macht die Vorauswahl nicht unmöglich, sondern nur mühsamer, und Mühe ist im Bewerbungsprozess selten dein Verbündeter.
Wie kommst du zu einer belastbaren Zahl?
Nicht durch Schätzen und nicht durch Hochrechnen deines aktuellen Gehalts. Recherchiere so eng wie möglich: deine konkrete Rolle, deine Branche, deine Region und deine Erfahrungsstufe. Ein Titel allein sagt wenig, weil dieselbe Bezeichnung je nach Unternehmensgröße und Standort sehr unterschiedlich bezahlt wird.
Nützlich sind Gehaltsvergleichsportale, Tarifverträge, sofern einer gilt, Angaben in ähnlichen Ausschreibungen und, wenn du sie hast, Gespräche mit Menschen in vergleichbaren Positionen. Aus mehreren Quellen ergibt sich ein Bereich, und dein Wert liegt darin je nach Erfahrung eher oben oder eher unten.
Feste Zahl oder Spanne?
Eine feste Zahl oder eine enge Spanne wirkt vorbereitet. Sehr weite Spannen signalisieren Unsicherheit, und praktisch wird ohnehin am unteren Ende weitergerechnet, sodass du dir mit einer breiten Angabe nur selbst den oberen Wert nimmst.
Nenne immer ein Jahresbruttogehalt. Das ist in Deutschland der übliche Bezugswert, und eine Monatsangabe erzeugt unnötige Rückfragen. Wenn variable Bestandteile üblich sind, kannst du kurz kenntlich machen, ob deine Zahl fix gemeint ist oder Zielgehalt inklusive Variable.
Wo gehört die Angabe hin?
Ans Ende des Anschreibens, in einen eigenen kurzen Satz, sachlich formuliert. Sie ist eine Information, kein Verhandlungszug, und sollte auch so klingen. Wird in der Ausschreibung nicht danach gefragt, lass sie weg. Eine unaufgeforderte Gehaltsangabe verschiebt den Fokus auf das Geld, bevor überhaupt über die Aufgabe gesprochen wurde.
Ein Hinweis für parallele Bewerbungen
Sobald du dich auf mehrere Stellen bewirbst, nennst du nicht überall dieselbe Zahl. Eine größere Rolle in einer teureren Stadt rechtfertigt eine andere Angabe als eine kleinere Position in der Region.
Genau daraus entsteht ein praktisches Problem. Wenn Wochen später ein Gespräch zustande kommt, musst du wissen, welche Zahl du diesem Unternehmen genannt hast. Sich hier zu widersprechen ist unangenehm und vollständig vermeidbar. Notiere die genannte Vorstellung direkt bei der jeweiligen Bewerbung, zusammen mit dem Datum. Es kostet zehn Sekunden und erspart dir später eine Erklärung, die niemand gerne abgibt. Wie du das Gespräch danach am Laufen hältst, steht in unserem Beitrag zum Nachfassen nach der Bewerbung.
Häufige Fragen
Muss ich die Gehaltsvorstellung wirklich angeben?
Wenn die Ausschreibung ausdrücklich danach fragt, ja. Die Angabe wegzulassen wird häufig als fehlende Sorgfalt gewertet oder verzögert das Verfahren, weil nachgefragt werden muss. Wird nicht danach gefragt, gehört sie nicht ins Anschreiben.
Feste Zahl oder Spanne nennen?
Eine feste Zahl oder eine enge Spanne von wenigen Tausend Euro wirkt vorbereitet. Sehr weite Spannen erwecken den Eindruck, dass du selbst nicht weißt, was die Position wert ist, und in der Praxis wird ohnehin am unteren Ende angesetzt. Nenne ein Jahresbruttogehalt, nicht ein Monatsgehalt.
Was, wenn ich zu hoch oder zu niedrig liege?
Zu niedrig ist das teurere Risiko, weil die genannte Zahl den weiteren Verlauf verankert und Nachbesserungen selten in vollem Umfang gelingen. Recherchiere deshalb vorher konkret für deine Rolle, Branche, Region und Erfahrungsstufe, statt zu schätzen, und formuliere deine Angabe als Vorstellung und nicht als Ultimatum.
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