Nachfassen nach der Bewerbung: Wie es in Deutschland tatsächlich funktioniert
Nachfassen gilt in Deutschland als heikel, ist aber üblicher und wirksamer, als viele denken. Entscheidend sind Zeitpunkt, Länge und Ton.
Melde dich etwa zwei Wochen nach deiner Bewerbung mit einer kurzen, sachlichen Nachricht, beziehe dich konkret auf die Stelle und nenne einen einzigen Grund, warum du passt. Danach reicht in der Regel eine weitere Nachfrage. Das ist die ganze Methode. Interessanter ist die Frage, warum so wenige Bewerberinnen und Bewerber sie überhaupt anwenden.
Warum fassen so wenige nach?
Weil sich hartnäckig die Vorstellung hält, Nachfragen wirke in Deutschland aufdringlich oder ungeduldig. Diese Sorge ist nicht völlig unbegründet, aber sie zielt auf das falsche Verhalten. Als unangenehm empfunden wird häufiges, forderndes oder emotional aufgeladenes Nachfragen. Eine einzelne, höfliche und knappe Nachricht nach zwei Wochen fällt in keine dieser Kategorien.
Dieselbe Zurückhaltung kostet an anderer Stelle übrigens genauso viel. Wer sein Arbeitszeugnis für zu zurückhaltend hält und trotzdem nicht nachfragt, behält es so, wie es ist. Was sich dort sagen lässt, steht in unserem Beitrag dazu, was du bei einem schlechten Arbeitszeugnis tun kannst.
Das Ergebnis ist eine seltsame Lücke: Ein Schritt, der wenig kostet und nachweislich Aufmerksamkeit erzeugt, wird von einem großen Teil der Bewerbenden ausgelassen. Wer ihn geht, hebt sich damit ab, ohne irgendetwas Besonderes zu leisten.
Was bedeutet es, wenn sich niemand meldet?
Meistens weniger, als du befürchtest. Bewerbungen bleiben liegen, weil eine Position intern noch nicht freigegeben ist, weil die zuständige Person im Urlaub war, weil ein Gremium erst in zwei Wochen tagt oder weil schlicht viele Bewerbungen eingegangen sind.
Keiner dieser Gründe ist eine Absage, und keiner davon ist von außen erkennbar. Genau deshalb ist Nachfassen sinnvoll: Du kannst nicht unterscheiden, ob dein Vorgang abgeschlossen oder nur liegen geblieben ist, und nur einer dieser beiden Fälle lässt sich beeinflussen.
Was gehört in die Nachricht?
Drei bis vier Sätze genügen. Nenne die Stelle und das Datum deiner Bewerbung, damit niemand suchen muss. Ergänze einen konkreten Punkt, der zur Ausschreibung passt, idealerweise etwas, das du im Anschreiben noch nicht ausgeführt hast. Schließe mit einer einfachen Frage nach dem aktuellen Stand.
Was nicht hineingehört, ist ebenso wichtig. Keine Entschuldigung für die Störung, denn sie lädt zur Zustimmung ein. Keine Zusammenfassung deines Werdegangs, denn die liegt bereits vor. Kein Hinweis darauf, wie lange du schon wartest, denn das macht aus einer Nachfrage eine Beschwerde. Und keine Erwähnung anderer Angebote als Druckmittel, wenn es sie nicht wirklich gibt.
Wann hörst du auf?
Nach der zweiten unbeantworteten Nachricht. Nicht weil eine dritte unhöflich wäre, sondern weil deine Aufmerksamkeit an dieser Stelle besser in eine neue Bewerbung fließt. Aufhören ist keine Aufgabe, sondern eine Umverteilung.
Das eigentliche Problem: dreißig unterschiedliche Termine
Alles oben Beschriebene ist für eine Bewerbung leicht und für dreißig praktisch unmöglich, weil jede ihr eigenes Absendedatum und damit ihren eigenen Nachfasstermin hat.
Was in der Praxis passiert, ist gut vorhersehbar. In den ersten zwei Wochen wird gewissenhaft nachgefasst. Dann kommt eine anstrengende Woche, der Faden reißt, und er wird nie wieder ganz aufgenommen. Ausgerechnet die Bewerbungen aus der stärksten Phase deiner Suche bleiben unbegleitet.
Die Lösung ist nicht mehr Disziplin, sondern sich nicht auf Disziplin verlassen zu müssen. Lege den Nachfasstermin fest, während du dich bewirbst, also in dem Moment, in dem du ohnehin an diese Stelle denkst. Danach muss dir nur noch etwas jeden Morgen eine einzige Frage beantworten: Wo ist heute eine Nachfrage fällig?
Häufige Fragen
Ist Nachfassen in Deutschland unangebracht?
Nein, solange es sachlich, kurz und in angemessenem Abstand geschieht. Was als aufdringlich gilt, ist häufiges Nachfragen, emotionale Formulierungen oder das Wiederholen des Lebenslaufs. Eine kurze, konkrete Nachricht nach etwa zwei Wochen ist im deutschen Bewerbungsalltag normal und wird selten negativ aufgenommen.
Wann sollte ich nachfassen?
Etwa zwei Wochen nach Eingang der Bewerbung, sofern in der Ausschreibung kein anderer Zeitrahmen genannt wurde. Wurde eine Frist genannt, warte diese ab und melde dich einige Tage danach. Danach genügt in der Regel eine weitere Nachfrage. Wer öfter schreibt, erreicht meist das Gegenteil.
Per E-Mail oder telefonisch nachfassen?
E-Mail ist der sichere Standard, weil sie den Empfänger nicht unterbricht und schriftlich nachvollziehbar bleibt. Ein Anruf kann bei kleineren Unternehmen und wenn in der Ausschreibung eine Ansprechperson mit Telefonnummer genannt ist gut funktionieren. Im Zweifel schreibe.
Nie wieder eine Bewerbung im Sande
Applylog setzt beim Anlegen einer Bewerbung sofort einen Nachfasstermin und sagt dir dann, wo heute etwas fällig ist. Kostenlos für bis zu 10 aktive Bewerbungen.
Kostenlos starten