Kündigungsfrist und Jobsuche: Warum du früher anfangen musst, als du denkst
Deine Kündigungsfrist ist kein Detail am Rande, sondern der Taktgeber deiner gesamten Jobsuche. Wer rückwärts plant, bewirbt sich rechtzeitig breit statt am Ende unter Druck.
Die meisten Menschen planen ihre Jobsuche vorwärts: Sie fangen an, sich zu bewerben, und schauen dann, wie lange es dauert. In Deutschland funktioniert das schlecht, weil am Ende deiner Suche keine freie Entscheidung steht, sondern eine Kündigungsfrist, die den Wechsel um Wochen oder Monate verschiebt. Wer rückwärts plant, trifft bessere Entscheidungen.
Warum ist die Kündigungsfrist der eigentliche Taktgeber?
Weil sie erst dann zu laufen beginnt, wenn alles andere schon erledigt ist. Du bewirbst dich, führst Gespräche, verhandelst, unterschreibst, und erst danach beginnt der Zeitraum, in dem du noch bei deinem alten Arbeitgeber bist. Der Wechsel ist also nicht mit der Unterschrift abgeschlossen, sondern erst danach richtig gestartet.
Wo deine Frist genau steht, ist eine Frage von drei Dokumenten: dem Arbeitsvertrag, einem eventuell geltenden Tarifvertrag und dem Gesetz. Verträge sehen häufig längere Fristen vor als die gesetzliche Grundregel, besonders bei erfahrenen Positionen. Das ist der Punkt, an dem sich viele irren, weil sie eine allgemeine Zahl im Kopf haben statt der Zahl, die für sie gilt. Lies nach, was in deinen Unterlagen steht, bevor du irgendetwas planst.
Wie plant man rückwärts?
Fang bei dem Datum an, an dem du tatsächlich anfangen möchtest oder musst. Ziehe davon deine Kündigungsfrist ab. Ziehe dann die Zeit ab, die zwischen einer Zusage und der Vertragsunterschrift vergeht, denn auch das sind selten wenige Tage. Was übrig bleibt, ist nicht dein Suchzeitraum, sondern der Zeitpunkt, zu dem eine Zusage spätestens vorliegen muss.
Rechne diesen Zeitpunkt einmal ehrlich aus. Das Ergebnis ist fast immer unangenehmer als das Gefühl, das man vorher hatte, und genau darin liegt der Nutzen. Es ist der Unterschied zwischen der Erkenntnis in Woche zwei, dass du breiter suchen musst, und derselben Erkenntnis in Woche zehn.
In dieselbe Rückwärtsrechnung gehören deine Unterlagen. Ein Zeugnis, das erst angefordert werden muss, während bereits Bewerbungsfristen laufen, kostet Wochen, die hinten fehlen. Wenn du noch angestellt bist, ist ein Zwischenzeugnis der übliche Weg, und wie du es anschließend liest, zeigt unser Überblick dazu, was im Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen steht.
Warum reicht eine Bewerbung nach der anderen nicht?
Weil sich Verzögerungen addieren, statt sich zu überlappen. Deutsche Auswahlverfahren laufen oft über mehrere Runden, teils mit Beteiligung mehrerer Personen und Gremien. Jede einzelne Runde ist unproblematisch. Nacheinander durchlaufen kosten drei solcher Prozesse aber ein halbes Jahr, und dieses halbe Jahr hast du nicht, wenn ein Termin feststeht.
Parallel zu suchen ist deshalb keine Frage von Pessimismus gegenüber den eigenen Chancen. Es ist schlicht die einzige Struktur, in der eine einzelne Absage nicht deinen gesamten Zeitplan verschiebt.
Woran scheitert es dann in der Praxis?
Nicht am Bewerben. Bewerbungen zu schreiben ist Arbeit, aber es ist Arbeit, die man an einem Wochenende erledigen kann.
Es scheitert daran, den Überblick zu behalten. Sobald zwanzig oder dreißig Verfahren gleichzeitig laufen, unterscheiden sie sich in Datum, Stand und nächstem Schritt. Welche Bewerbung ist seit drei Wochen unbeantwortet? Bei welcher wolltest du nachfassen? Bei welchem Unternehmen hattest du schon ein Gespräch für eine andere Stelle? Diese Fragen sind einzeln trivial und in der Summe im Kopf nicht zu halten.
Das ist der Moment, in dem eine Suche leise auseinanderfällt. Nicht durch Absagen, sondern dadurch, dass Bewerbungen unbemerkt einschlafen. Wer sich zu Beginn hinsetzt und aufschreibt, was wann verschickt wurde und wann nachgefasst werden soll, hat am Ende nicht mehr Bewerbungen geschrieben, aber deutlich mehr davon am Leben gehalten.
Häufige Fragen
Wo steht meine Kündigungsfrist?
Zuerst im Arbeitsvertrag, dann gegebenenfalls im Tarifvertrag und schließlich im Gesetz. Der Vertrag kann längere Fristen vorsehen als die gesetzliche Grundregel, und genau das ist bei Fach- und Führungspositionen häufig der Fall. Verlasse dich nicht auf eine Zahl, die du im Kopf hast oder von Kolleginnen gehört hast, sondern lies nach, was tatsächlich in deinen Unterlagen steht.
Wann sollte ich mit dem Bewerben anfangen?
Deutlich früher, als die Kündigungsfrist allein nahelegt. Zwischen der ersten Bewerbung und einem unterschriebenen Vertrag liegen in Deutschland oft mehrere Gesprächsrunden über Wochen, und erst danach beginnt deine Frist überhaupt zu laufen. Rechne rückwärts vom gewünschten Starttermin und nicht vorwärts vom heutigen Tag.
Wie viele Bewerbungen sollten parallel laufen?
So viele, dass eine einzelne Absage deinen Zeitplan nicht umwirft. Wer sich nacheinander bewirbt, verliert bei jeder Absage mehrere Wochen, und diese Wochen summieren sich schnell zu Monaten. Der Engpass ist dabei selten das Schreiben der Bewerbungen, sondern der Überblick darüber, welche noch laufen und wo eine Nachfrage fällig ist.
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