Zwischenzeugnis anfordern, ohne dass es nach Kündigung aussieht
Ein Zwischenzeugnis ist das nützlichste Dokument der stillen Jobsuche. Der einzige Haken ist der Anlass, und dafür gibt es mehrere, die niemanden stutzig machen.
Wer sich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbt, steht vor einem kleinen Widerspruch. Deutsche Bewerbungen erwarten Zeugnisse. Das aktuellste Arbeitsverhältnis, also genau das, in dem du gerade die interessanteste Arbeit machst, hat aber noch keines. Die Lücke füllt das Zwischenzeugnis.
Es ist im Aufbau ein normales Arbeitszeugnis mit zwei Unterschieden: Es steht in der Gegenwartsform, weil das Arbeitsverhältnis läuft, und es endet nicht mit Dank und guten Wünschen, sondern nennt den Anlass, aus dem es ausgestellt wurde.
Der eigentliche Haken ist der Anlass
Der Aufbau ist also einfach. Was Menschen zögern lässt, ist die Sorge, dass die Bitte selbst schon die Auskunft gibt, die man vermeiden wollte. Diese Sorge ist nicht unbegründet, aber sie lässt sich auflösen, denn ein Zwischenzeugnis wird aus vielen Gründen ausgestellt, die mit einer Bewerbung nichts zu tun haben.
- Ein Wechsel in der Führung. Der wohl unverdächtigste Anlass überhaupt, und er hat einen echten Grund: Wer deine Arbeit beurteilen kann, geht, und danach kann es niemand mehr. Das ist ein Argument, das jede Führungskraft sofort nachvollzieht.
- Eine Umstrukturierung. Wenn Bereiche zusammengelegt werden oder Zuständigkeiten wechseln, ist eine Zwischenbilanz eine normale Reaktion.
- Ein Wechsel deiner eigenen Rolle. Eine neue Position, ein größerer Verantwortungsbereich, das Ende eines langen Projekts. Der abgeschlossene Abschnitt wird dokumentiert, solange er frisch ist.
- Ein Nachweis, den du woanders brauchst. Weiterbildungen, Stipendien, manche Anträge und Bewerbungen für interne Programme verlangen einen Tätigkeitsnachweis.
- Eine längere Abwesenheit. Vor Elternzeit, einem Sabbatical oder einer längeren Freistellung ist ein Zwischenstand üblich.
Wenn einer dieser Anlässe auf dich zutrifft, ist die Bitte unauffällig. Trifft keiner zu, ist der ehrlichste Umgang, mit dem nächsten natürlichen Anlass zu warten, statt einen zu erfinden. Erfundene Gründe halten selten stand, und ein unglaubwürdiger Grund ist auffälliger als gar keiner.
Wie du fragst
Kurz, konkret, schriftlich. Nenne den Anlass, bitte um das Zeugnis und gib einen Zeitrahmen an, der Spielraum lässt. Zwei bis drei Sätze reichen vollkommen.
Ein Detail, das sich lohnt: Biete an, eine Übersicht deiner Aufgaben und Projekte beizusteuern. Das ist kein Entgegenkommen, sondern Einflussnahme. Wer die Aufgabenbeschreibung liefert, prägt den Teil des Zeugnisses, der in der Bewerbung am meisten zählt, und nimmt der ausstellenden Person gleichzeitig die mühsamste Arbeit ab. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du ein vollständiges Dokument bekommst, und zwar zügig.
Prüfen, bevor du es einreichst
Ein Zwischenzeugnis wird in derselben Sprache geschrieben wie ein Endzeugnis, mit denselben Abstufungen und denselben Auslassungen. Lies es deshalb mit demselben Blick. Die Bausteine stehen im Decoder für Zeugnisformulierungen, die Einordnung der Stufen in der Übersicht zu den Noten im Arbeitszeugnis.
Der Zeitpunkt ist hier sogar günstig. Du arbeitest noch dort, das Verhältnis ist intakt, und eine Bitte um eine kleine Anpassung ist deutlich leichter als Jahre später aus der Distanz. Falls doch etwas grundsätzlich nicht passt, findest du das Vorgehen in unserem Beitrag dazu, was du bei einem schlechten Arbeitszeugnis tun kannst.
Wie es in die stille Suche passt
Das Zwischenzeugnis ist eines der wenigen Dokumente, die eine diskrete Suche wirklich erleichtern, weil es den aktuellen Job belegt, ohne dass jemand dort angerufen werden muss. Wie sich eine Suche insgesamt führen lässt, ohne dass sie im Unternehmen auffällt, steht in unserem Beitrag dazu, wie du dich diskret bewirbst, während du angestellt bist.
Und weil eine Suche neben einem Vollzeitjob in Abschnitten läuft statt an einem Stück, ist der Teil, der zuerst verloren geht, fast immer derselbe: die Nachfrage nach zwei Wochen Stille. Wenn du das Zwischenzeugnis ohnehin gerade anforderst, richte dir im selben Zug für jede laufende Bewerbung einen Termin ein, an dem du nachfasst. Wie das in Deutschland angemessen aussieht, steht im Beitrag zum Nachfassen nach der Bewerbung.
Häufige Fragen
Verrät ein Zwischenzeugnis, dass ich mich bewerbe?
Nur wenn kein anderer Anlass erkennbar ist. Ein Vorgesetztenwechsel, eine Umstrukturierung, ein Rollenwechsel oder ein Antrag, für den ein Nachweis gebraucht wird, sind alltägliche Gründe. Wer die Bitte an einen solchen Anlass knüpft, gibt niemandem Anlass zu Spekulationen.
Worin unterscheidet sich ein Zwischenzeugnis vom Endzeugnis?
Vor allem in der Zeitform und im Schluss. Das Zwischenzeugnis beschreibt ein laufendes Arbeitsverhältnis und endet nicht mit Dank und Zukunftswünschen, sondern nennt den Anlass der Ausstellung. Aufbau und Bewertungssprache sind ansonsten dieselben.
Kann ich mich mit einem Zwischenzeugnis bewerben?
Ja, das ist bei einer Bewerbung aus einer ungekündigten Stellung heraus der übliche Weg. Ein aktuelles Zwischenzeugnis wirkt in dieser Situation sogar sorgfältiger als ein mehrere Jahre altes Endzeugnis aus einer früheren Position.
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